GEB-KitaPresse

Neue Einschulungsregelungen ab dem kommenden Schuljahr...

NZ vom 30. Januar 2019 von Carl Eisenack

mit Kommentar von Uwe Kriebel GEB-Kita e.V. - Nürnberg...

... Uwe Griebel ist der zweite Vorsitzende des Gesamt-Eltern-Beirats Kindertagesstätten Nürnberg (GEB). Für ihn muss das Wohl des Kindes im Vordergrund stehen. „Natürlich kennen die Eltern ihre Kinder am besten.“ Man tue den Mädchen und Jungen aber nicht immer einen Gefallen, wenn man sie zurückstellen lässt. „Es kann dann schnell die Grenze zur Unterforderung erreicht sein. Wichtig ist, die Bedürfnisse der Kinder im Blick zu haben.“ Die Ideallösung sei, wenn Eltern und Schulen gemeinsam und auf Augenhöhe eine Entscheidung finden. ...

Konkrete Forderungen: Regelungen für Kita-Leitungen für Führungsaufgaben

NÜRNBERG - In Bayern fehlen rund 20.000 qualifizierte Fachkräfte in Krippen, Kindergärten und Horten. Immer häufiger werden Stellen für Erzieher und Erzieherinnen durch Kinderpfleger oder Kinderpflegerhelferinnen ersetzt. Das neu gegründete "Bündnis Kita Bayern" will Abhilfe schaffen.

Doris Rauscher, familienpolitische Sprecherin der SPD-Landtagsfraktion, weiß aus eigener Erfahrung, wie es in den Kindertagesstätten des Freistaats aussieht: "Zu wenig Fachpersonal, das im Gros schlecht bezahlt wird und immer mehr Kinder mit besonderem Förderbedarf", erklärt die SPD-Politikerin. Strebe man, wie von der Wissenschaft gefordert, einen besseren Personalschlüssel für die Kitas an, wäre der Personalbedarf sogar noch um ein Vielfaches höher, als er derzeit deklariert werde. Hinzu kommt, dass auch weder mögliche Schwangerschaften der derzeit Beschäftigten noch das Ausscheiden von Fachkräften, die in Rente gehen, in die Berechnungen des Fachkräftemangels einkalkuliert worden ist. 

Anträge scheitern

Rauscher ist gelernte Erzieherin und Sozial- und Gesundheitsfachwirtin. Bis zu ihrer Wahl in den Landtag im Jahr 2013 war sie Pädagogische Leiterin von 28 Kindertageseinrichtungen des Paritätischen Wohlfahrtsverbandes. "Seit Jahren kämpfe ich für bessere Arbeitsbedingungen des Kita-Personals, doch bislang bin ich mit meinen Anträgen im Landtag immer an der CSU gescheitert."

Konkret fordert das Bündnis neben mehr Personal, dass verbindliche Regelungen verabschiedet werden, um Kita-Leitungen für ihre Führungsaufgaben freizustellen. Zudem sollen Kita-Leitungen vermehrt durch Verwaltungskräfte unterstützt werden.

Bündnis Kita Bayern ist ein Zusammenschluss von Einrichtungsleitungen, Erzieherinnen, Kinderpflegerinnen und Kinderpflegerhelferinnen sowie Kindheitspädagoginnen. Rauscher ist die Schirmherrin und hofft, dass die Forderungen durch den Druck aus der Praxis der Betroffenen endlich Bewegung in die Sache bringen. Und ein wenig hofft sie auch auf das Verhandlungsgeschick der Freien Wähler, denen die Bildung der unter Sechsjährigen stets ein Anliegen war und die mit ihrer Forderung der kostenlosen Kita in die Koalitionsverhandlungen gezogen sind. 

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Nürnberger Nachrichten

Plakataktion: Geburtstagsgruß mit Farbklecksen und Konfetti - 23.10.2018 20:49 Uhr

NÜRNBERG - 25 Großplakate zum 25. Geburtstag der "Straße der Menschenrechte": Vereine, Gruppen und Organisationen konnten ihren Geburtstagsgruß ganz persönlich gestalten. Die überdimensionalen Blickfänger hängen bis 1. November übers Stadtgebiet verstreut.

An der Gabelung Brücken-/Roonstraße in St. Johannis schüttet Eric Brettreich eine Dose mit blauer Farbe auf die schneeweiße Plakatwand. Die Künstler-Gruppe der Lebenshilfe klatscht begeistert Beifall und schon ist der Nächste mit seiner Farbdose dran. Rasch wird die mehrere Quadratmeter große Tafel immer bunter.

Die Lebenshilfe hat vor der Aktion den Fußboden und das Nachbar-Plakat mit dem Konterfei vom SPD-Landtagsabgeordneten Arif Tasdelen ganz sorgfältig abgeklebt, damit keine Farbspritzer draufkommen. Der Sozialdemokrat hat nach dem Wahldebakel seiner Partei sicher nicht so viel zu lachen wie die Künstler mit Behinderungen. Jeder neue Farbklecks wird mit fröhlichem Kichern und lauten Zwischenrufen kommentiert. "Es ist ein ,happy-ning‘", meint Organisator Christian Vittinghoff mit einem Wortspiel, in Anlehnung an das englische Wort Happening.

Mut und Selbstbewusstsein zeigen

Und das "Farbenschmeißen", wie die Beteiligten es nennen, macht sie auch glücklich: "Ich kann damit meine Ideen ausdrücken und meine Gefühle rauslassen. Alle Menschen mit Behinderung sollten das machen", sagt Christin Michaleck. Sie gehört wie die anderen Teilnehmer dem "Atelier" der Lebenshilfe im ehemaligen TA-Gelände an der Fürther Straße an.

Mut und Selbstbewusstsein zeigen, sich engagieren — das ist den überwiegend jungen Menschen mit Behinderung wichtig. Den Spruch, der zwischen den Farbklecksen auf der Plakatwand prangt, hat Eric Brettreich geprägt: "Nein sagen tut mehr weh als sich kontrollieren zu lassen." Wie kam er auf diesen Gedanken? "Mein Papa will mich immer kontrollieren", meint der junge Mann, "und da habe ich mir gedacht, dass es wichtig ist, auch einmal ,Nein‘ zu sagen und sich zu wehren."

"Das sieht cool aus"

Nicht weit entfernt gestalten Jugendliche der zehnten Klassen der Geschwister-Scholl-Realschule eine Plakatwand am U-Bahnhof Bärenschanze. Sie bewerfen eine mit Leim bestrichene Plakatwand mit Konfetti. Auf der Fläche zeichnen sich die Silhouette einer Schwangeren, eines Mannes mit einer Peitsche und ein Schlüsselloch mit Hammer ab.

Diese Symbole stehen für unterschiedliche Menschenrechte: das Recht auf Gründung einer Familie, die Ächtung von Folter oder auch die Wahrung der Privatsphäre. Dazwischen befinden sich drei skizzierte Säulen — als optischer Hinweis auf die "Straße der Menschenrechte" am Germanischen Nationalmuseum. "Wir waren mit der Klasse schon öfter dort, das sieht cool aus. Es zeigt, nach welchen Gesetzen wir leben sollen", sagen Valerie und Marvin.

"In unserem Land leben viele Kulturen"

Mitschüler Erik findet es gut, dass an den 27 Säulen die Menschenrechte auf Deutsch und in vielen anderen Sprachen angebracht sind. "In unserem Land leben viele unterschiedliche Kulturen", sagt der 16-Jährige, der eine Ausbildung als Elektrotechniker beginnen möchte, "an unserer Schule gibt es auch viele Schüler aus anderen Ländern. Sie sollen hier eine Chance bekommen, ihr Leben zu gestalten."

Michael Schwarzer, Lehrer für katholische Religion an der Realschule, behandelt das Thema Menschenrechte im Unterricht. Dass sie damit nun auf die Straße gehen und nicht im Klassenzimmer sitzen bleiben, habe den Jugendlichen gut gefallen, meint er. Seit zwölf Jahren arbeitet der Pädagoge mit dem städtischen Menschenrechtsbüro zusammen, das die jetzige, stadtweite Plakataktion initiiert hat.

Das Menschenrechtsbüro will mit der originellen Aktion auf das 25-jährige Bestehen der "Straße der Menschenrechte" aufmerksam machen. 25 Organisationen — unter anderem Allianz gegen Rechtsextremismus, Frauennetzwerk, Bluepingu, evangelische Jugend, sozialistische Jugend, Baha-i Gemeinde und Zonta — gestalten jeweils ein Großplakat auf Flächen der Stadtreklame, das eine gute Woche im Stadtgebiet zu sehen ist. Die meisten Gruppen haben sich auf einen Aufruf in der Zeitung gemeldet. Das Bewerbungsbüro Kulturhauptstadt 2025 dokumentiert die unterschiedlichen Plakatwände mit einem Film, der in die Bewerbungsunterlagen aufgenommen werden soll.

Hartmut VoigtLokalredaktion Nürnberg

Uwe Kriebel und Rüdiger Singer engagieren sich für Erziehungsarbeit in Nürnberg - 05.10.2018 13:58 Uhr

NÜRNBERG - Kein Kinderspiel: Rüdiger Singer (41) und sein Stellvertreter Uwe Kriebel (40) setzen sich im Gesamt-Eltern-Beirat Kindertagesstätten (GEB) für das Wohl der Jungen und Mädchen in Nürnbergs Kitas ein.

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Nicht nur unter den Erziehern trifft man mittlerweile den einen oder anderen Mann an. Auch in den Elternbeiräten der Kitas engagieren sich immer mehr Väter für das Wohl ihrer Kinder. © Foto:Jens Büttner/dpa

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Herr Singer, Herr Kriebel, in den Kitas arbeiten fast nur Erzieherinnen. Auf der Elternseite wiederum trifft man bei Elternabenden oder in Elternbeiräten — egal ob in Kindergarten oder Schule — vor allem Mütter an. Wie kommt es da, dass der Vorsitzende des GEB und sein Stellvertreter Männer sind?

Uwe Kriebel: Das ist wie überall in der Gesellschaft: Je höher man schaut, umso mehr Männer trifft man (lacht). Nein, das ist natürlich nur Spaß. Für mich war von Anfang an klar, ich möchte mich in unserem Kindergarten engagieren und nicht nur mein Kind "abgeben".

Rüdiger Singer: Also, ich bin einfach ein moderner Vater, der sich gerne mit seinen Kindern und ihrer Erziehung beschäftigt.

Kriebel: Erziehungsarbeit ist doch längst nicht mehr eine reine Frauendomäne. Das beobachte ich im Kindergarten meiner Tochter. Oder auch in der Arbeitswelt, wo Männer mittlerweile ganz selbstverständlich Elternzeit nehmen . . .

Wirklich?

Singer: Ja. Ich erlebe bei mir in der Arbeit sogar, dass viele auf ihr Recht auf Elternzeit pochen, sich diese Auszeit für ihre Kinder nehmen und dabei regelrecht aufblühen.

Das spricht ja eher für Kindererziehung zu Hause als in der Kita?

Singer: Nein, meine Frau hätte ja sogar die Möglichkeit gehabt, zu Hause beim Kind zu bleiben. Aber mir war wichtig, dass unser Sohn in eine gute Kita kommt, damit er andere Kinder kennenlernt und Freunde gewinnt. Allein bei der Frage, was man mit dem Kind Tag für Tag spielt und ihm dabei Neues beibringt, wären wir als Eltern irgendwann überfordert, obwohl ich sehr bemüht und gut informiert bin.

Kriebel: Du kommst ja nicht mal aus dem sozialen Bereich. Ich bin in der Pflegewirtschaft tätig, wo ich mit behinderten Menschen arbeite, und weiß daher, welchen großartigen und nicht zu unterschätzenden Beitrag die Erzieherinnen leisten. Aber selbst ich würde nicht mit vielen lauten und aufgeweckten Kindern arbeiten wollen.

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Starkes Duo im Dienste der Kinder: Rüdiger Singer (li.) und Uwe Kriebel engagieren sich im Gesamt-Eltern-Beirat der Nürnberger Kitas. © Foto: Volkan Altunordu

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Und wie sind Sie dann beim GEB gelandet?

Kriebel: Ich bin mit einem Anliegen als Elternbeiratsmitglied auf den GEB aufmerksam geworden und habe mich beraten lassen. Der Kontakt ist nie abgerissen und ich bin der Einladung zur Vorstandswahl gefolgt. Heute bin ich stellvertretender Vorsitzender.

Singer: Als Mitglied im Elternbeirat der Krippe habe ich die Einladung zur einer GEB-Veranstaltung erhalten. Ich war neugierig und wollte mich informieren, welche Aufgaben der Elternbeirat eigentlich hat . . .

Welche Aufgaben hat er denn?

Kriebel: Er ist auf jeden Fall nicht nur dazu da, einmal im Jahr das Sommerfest zu organisieren. Neben der Einrichtungsleitung und dem Personal hat ja auch der Elternbeirat einen großen Einfluss darauf, wie gut eine Kita ist. Er hat gegenüber der Einrichtungsleitung beispielsweise Anhörungsrechte in wichtigen Fragen, wie etwa bei der Festlegung der Schließungstermine. Und er kann durchaus eigene Anregungen einbringen...

...wie zum Beispiel?

Singer: Wenn in einer Kita etwa die Zahl muslimischer Kinder gestiegen ist, könnte der Beirat Aktivitäten vorschlagen, um ihre Kultur den anderen Kindern vorzustellen. Oder wenn es viele Kinder mit Sprachproblemen gibt, anregen, einen Logopäden hinzuzuziehen. Viele Einrichtungen sind dankbar für Anreize von außen.

Aber was, wenn die Einrichtungsleitung gegenüber Vorschlägen oder vor allem Kritik verschlossen bleibt?

Kriebel: Dann kommt der Gesamt-Eltern-Beirat ins Spiel, Wir sind Ansprechpartner der Elternbeiräte, ihre Anlaufstelle bei Problemen und gegebenenfalls auch ihr Sprachrohr gegenüber dem Träger. Unsere Stimme hat schon mehr Gewicht — sowohl in der Verwaltung als auch in der Öffentlichkeit. Und negative Publicity will jeder Träger vermeiden.

Was macht der GEB sonst so, außer Beschwerde-Management?

Singer: Wir klären vor allem die Elternbeiräte darüber auf, was ihre Rechte, aber auch ihre Pflichten sind, mit Infomaterial, Seminaren und Ähnlichem.

Eine durchaus abwechslungsreiche Aufgabe, für die sich bislang aber nicht sonderlich viele interessieren?

Singer: Ja, als wir damals gewählt wurden, haben wir uns als Ziel eine Zahl von 500 Mitgliedern gesetzt. Davon sind wir zugegebenermaßen noch weit entfernt.

Woran liegt das?

Kriebel: Den meisten ist es heutzutage oft zu viel, neben dem Job noch woanders Verantwortung zu übernehmen . . .

Singer: Es mangelt natürlich auch an Kandidaten, weil viele nur sehen: Es funktioniert alles schon.

Vielleicht schreckt aber auch die Arbeit ab? Wie hoch ist denn der Aufwand für potenzielle Mitstreiter?

Singer: Von... bis. Das hat jeder in der eigenen Hand.

Kriebel: Man kann schon sehr viel Arbeit reinstecken. Bei uns beiden dürften es gut zehn Stunden pro Woche sein. Aber grundsätzlich gilt: Was geht, ist auch genug. Und die Familie kommt immer noch vor dem sozialen Engagement. Auch bei uns.

Singer: Es gibt zudem auch die Möglichkeit der passiven Mitgliedschaft. Wir sind natürlich der Stadt dankbar, dass sie es sich leistet und die Arbeit des GEB finanziell unterstützt. Aber auch Einzelpersonen können der "Lobby der Kinder" mit einem Jahresbeitrag von nur zehn Euro helfen.

Und was spricht aus Ihrer Sicht dafür, sich aktiv einzubringen?

Kriebel: Unserer Kinder haben es verdient, dass man sich für sie einsetzt, da sie keine eigene Lobby haben und unsere Zukunft sind. Wo geht das besser als bei uns, denn in der Kita wird der Grundstein für alle weiteren Wege unserer Kinder gelegt.

Singer: Als wir vor zwei Jahren gewählt wurden, hieß es: Wenn sich kein neuer Vorstand findet, muss sich der GEB auflösen. Inzwischen haben wir sicheres Fahrwasser erreicht und sind wesentlich besser aufgestellt. Wer die Thematik mag — man muss dazu nicht mal Kinder haben —, kann bei uns nicht nur mitmachen, sondern auch seine Ideen einbringen und wirklich Dinge bewegen.

Das klingt jetzt aber fast ein wenig, als würden Sie einen Nachfolger suchen...

Kriebel:(lacht) Nein, meine Mission ist noch nicht erfüllt.

Singer: Ja, es gibt für uns noch viel zu tun.

Die Jahresversammlung des GEB mit Neuwahl des Vorstands findet am Donnerstag, 8. November, um 19 Uhr im Nachbarschaftshaus Gostenhof, Adam-Klein-Straße 6, statt. Wer sich über die Arbeit des GEB informieren oder diese unterstützen will, wendet sich per Mail an:

geb.nuernberg@gmx.de

www.geb.nuernberg.de 

Interview: Volkan Altunordu, Nürnberger Stadtanzeiger

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13.04.2018 - Auch gestern legten Beschäftigte des öffentlichen Dienstes ihre Arbeit nieder - Kritik an der Kommunikation vor den Streiks

Zwar hatten die Warnstreiks des öffentlichen Dienstes am Mittwoch ihren Höhepunkt, doch auch gestern blieben noch mal Kitas geschlossen. Rund 2000 Menschen folgten am gestrigen Donnerstag dem Aufruf der Gewerkschaft Komba – der Gewerkschaft der kommunalen Beamten und Arbeitnehmer im Bayerischen  Beamtenbund, die kleiner als die bekanntere Dienstleistungsgewerkschaft Verdi ist. Die Masse zog vom Nelson-Mandela-Platz zur Lorenzkirche, wo es eine Abschlusskundgebung gab. Mit so viel Zustimmung hätte Gerhard Sixt, der Vorsitzende des Kreisverbandes Nürnberg-Fürth, nicht gerechnet . Er sagte: „Die Leute sind richtig aufgeheizt.“

Erst einen Tag zuvor kamen 9000 Streikende aus ganz Nordbayern auf dem Kornmarkt zusammen – diesmal von Verdi mobilisiert. Deshalb blieben die meisten öffentlichen Einrichtungen am Mittwoch geschlossen. Wie etwa 130 von 140 städtischen Kitas (die NZ berichtete). Neun Notdienste wurden eingerichtet, für die Kinder, deren Eltern keine andere Betreuungsmöglichkeit gefunden hatten. Dies nahmen am Mittwoch Eltern von 360 Kindern wahr, teilte das Jugendamt mit.

Streiks wurden zu kurzfristig bekanntgegeben

Gestern waren noch elf Kitas von den Arbeitsniederlegungen betroffen. 130 Kinder sind unter anderem bei benachbarten Einrichtungen untergekommen, die eben nicht bestreikt wurden. Wieso aber war kaum und erst kurzfristig bekannt, dass es auch am Donnerstag Warnstreiks gibt? Dies moniert Uwe Kriebel vom Gesamtelternbeirat Kindertagesstätten Nürnberg. Er hätte sich mehr Transparenz und Kommunikation vonseiten der Gewerkschaften gewünscht. Schließlich hätten die meisten Menschen gedacht, dass nur mittwochs gestreikt würde. Dass auch am Donnerstag einige Kitas zu blieben, sei hingegen kaum bekannt gewesen. Eltern hätten so wenig Zeit gehabt, eine Alternative für die Betreuung ihres Kindes zu finden. Weil Eltern der Streik „ohne Wenn und Aber“ treffe, müssten die Gewerkschaften die Streiks wenigstens so ankündigen, dass sie auch wirklich jeder ohne Zweifel verstehe. Schließe hänge da oft ein Urlaubstag mit dran.

Das sei eine Vorgabe von der Zentrale aus Berlin gewesen, erklärt Sixt von Komba auf NZ-Nachfrage. „Ich persönlich hätte mir vorstellen können, dass man den Zeitpunkt für die Bekanntmachung früher wählt.“ Dass manche Bürger ihre Erledigungen auf Ämtern verschieben mussten, sei nicht so schlimm, erklärt der Gewerkschafter, dann kämen sie halt morgen wieder. Immerhin waren auch gestern noch die Bürgerämter betroffen. Es kam zu Schließungen und Verzögerungen so heißt es auf der Webseite des Amts. „Kitas dagegen sind ein neuralgischer Punkt“, so Sixt. Auch das Klinikum Nürnberg hatte der Streik – wenn auch nur am Mittwoch – getroffen. Das Management war erwartungsgemäß wenig erfreut über die Auswirkungen des Warnstreiks. 350 bis 400 Mitarbeiter beteiligten sich am Mittwoch, überwiegend aus der Pflege und den Servicebereichen, sagte Sprecher Bernd Siegler. Patienten merkten das an Umplanungen: Die Anzahl der Operationen musste um die Hälfte gekürzt werden. Nicht dringende Eingriffe wurden verschoben. Die Notfallversorgung sei aber jederzeit sichergestellt gewesen, so Siegler. Es werde noch einige Tage dauern, bis alle OP-Termine nachgeholt seien. Das Klinikum habe durch die Ausfälle der Behandlungen rund 500000 Euro Einnahmeverlust zu verbuchen. Heute nimmt der öffentliche Dienst wieder seine Arbeit auf. Die Verhandlungen um mehr Gehalt werden ab Sonntag in eine weitere Runde gehen.

Quelle: Nürnberger Zeitung Meike Kreil, Isabel Lauer

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11. April 2018 - Kinder am Streiktag im Rathaus abzustellen, ist tabu

 

Elternbeirats-Vertreter Uwe Kriebel und Gewerkschaftschef Jürgen Göppner über geschlossene Kitas und die Frage der Zumutbarkeit

Der Tag heute in Nürnberg steht ganz im Zeichen des Warnstreiks, auch in den nächsten Tagen geht er vereinzelt weiter: Viele Dienststellen sind dicht, der Müll bleibt stehen, fast alle städtischen Kindergärten, Krippen und Horte sind geschlossen. Im Fokus stehen beim Tarifpoker vor allem die Erzieher.

Warum das teils für Ärger sorgt, diskutieren Jürgen Göppner von ver.di Mittelfranken und Uwe Kriebel vom Gesamtelternbeirat der städtischen Kindertagesstätten.

Der Streik heute lässt viele Eltern wieder zittern. Aber auch für andere Bürger wird’s unbequem. Allerdings verfestigt sich der Eindruck, dass der Schwerpunkt der Aktionen auf den Erziehern liegt, oder?

Jürgen Göppner: Wir befinden uns in einer ganz normalen Tarifrunde für alle Beschäftigten im öffentlichen Dienst. Aber natürlich ist der Bereich des Sozial- und Erziehungsdienstes ein Bereich, in dem eine hohe Mobilisierung vorhanden ist. Dass sich Erzieherinnen in dem Maß beteiligen, hat sich erst in den letzten Jahren entwickelt. Ich gehe davon aus, dass heute eine große Zahl an städtischen Kitas geschlossen bleibt. Die Erzieherinnen haben jahrzehntelang nicht gestreikt. Weil sie eine hohe Verantwortung gegenüber den Kindern und den Eltern verspüren und sich sehr mit ihrer Arbeit identifizieren. Natürlich landen dann bei uns auch verärgerte Väter und Mütter, die Probleme haben, ihr Kind unterzubringen. Aber diesen Ärger wird es möglicherweise auch bei anderen Bürgern geben, da eine ganze Reihe städtischer Dienststellenbetroffen ist.

Wie beurteilen Sie denn das Dilemma, in das Erzieher und andere Beschäftigte in sozialen Berufen dabei geraten?

Göppner: In dem Dilemma stecken die Mitarbeiter tatsächlich. Aber welche Alternative gibt es denn für Beschäftigte in diesem Bereich, als von ihrem normalen Streikrecht Gebrauch zu machen? Sollen sie am Samstag oder Sonntag streiken? Das Recht müssen wir auch den Beschäftigten zubilligen, bei denen die Auswirkungen größer sind. Es gab erst 2015 diese große, wochenlange Auseinandersetzung. Das war für alle Beteiligten keine leichte Zeit. Für mich war das übrigens auch nicht Alltag.

Uwe Kriebel: Bei den Eltern kommt aber leider nicht an, dass der gesamte öffentliche Dienst bestreikt wird. Die haben bei dem Wort Kita-Streik nur im Hinterkopf, dass sie im Jahr 2015 und 2016 schon mal Betroffene waren. Und da waren die Einrichtungen 14 Tage lang zu. Also stellen sie sich automatisch die Frage: Wie soll das nur dieses Mal werden? Außerdem: Wenn die Arbeitgeber noch kein Angebot vorgelegt haben, warum sollen sie es denn in der nächsten Runde tun?

Göppner: Natürlich ist der Fokus der Eltern jetzt darauf gerichtet, wie sie ihr Kind unterbringen. Dass das nicht einfach ist, wird von uns überhaupt nicht in Abrede gestellt. Der andere Punkt ist, dass momentan wieder alle nur über die Kindertagesstätten reden. Das liegt sicherlich auch daran, dass die Erzieherinnen sich 2015 eine gewaltige Auseinandersetzung mit den Arbeitgebern geliefertbrohaben. Vier Wochen am Block, auch in Nürnberg — das hatten selbst wir als Gewerkschaft so nicht erwartet.

Sie betonen immer wieder, dass Sie als Gewerkschaft die Eltern nicht treffen wollen. Aber Sie treffen sie.

Göppner: Ja, wir treffen sie, weil sie die Auswirkungen händeln müssen, das weiß ich schon. Aber gerade deswegen haben wir ja wenigstens eine kleine Alternative organisiert und mit dem Jugendamt der Stadt eine Notfallbetreuung vereinbart. Gerade weil ich als gelernter Erzieher ja selbst aus diesem Bereich komme, weiß ich, was wir den Eltern abverlangen. Aber noch mal: Bestreikt wird mehr als nur die Kitas. Wir haben auch eine Notdienstvereinbarung mit dem Stadtentwässerungsdienst, mit den städtischen Friedhöfen, mit der Leitstelle der Feuerwehr — das ist selbstredend. Ich möchte weder Menschenleben gefährden noch ein weinendes Kind vor einem Hort erleben.

Kriebel: Ich glaube allerdings nicht, dass ein Streik die Stadt Nürnberg groß beeindruckt. Wirtschaftlich dürfte es sie kaum treffen.

Göppner: Die Arbeitgeberseite registriert ganz genau, wie viele Menschen bei den Streikaktionen beteiligt sind. Das Argument, dass die Städte den betriebswirtschaftlichen Schaden ohnehin leicht wegstecken, lasse ich so nicht gelten. Es geht vielmehr um ein Zeichen, und das setzen wir heute.

Kriebel: Wir finden die Aktion per se auch gerechtfertigt. Wir unterstützen die Erzieher in all ihren Forderungen und wünschen uns eine Verbesserung für sie. Aber man gewinnt so langsam den Eindruck, dass der Streik sehr schnell als das Mittel gewählt wird. Schon allein dadurch, dass die Eltern noch die Auswirkungen von 2016 vor Augen haben, die wirklich massiv waren. Wir als Gesamtelternbeirat suchen hingegen eine Alternative zum Streik. Die Erzieherinnen brauchen eine eigene Plattform, einen vernünftigen Platz für ihre Forderungen. Die normale Tarifrunde, so glauben wir, ist dafür garnicht der Platz.

Ist die Tarifrunde der richtige Platz, Herr Göppner, oder gibt es eine Alternative?

Göppner: Zum Streikrecht gibt es keine Alternative. Das gilt selbstverständlich auch für Erzieherinnen. Wir reden hier von einer Tarifauseinandersetzung im öffentlichen Dienst. Es kam von den Arbeitgebern wieder der Einwand, dass wir eine zu hohe Forderung stellen. Den Satz kenne ich nur zu gut, der ist Standard seit Jahrzehnten. Die Haushaltslage der Kommunen hat sich aber deutlich verbessert. Die Arbeitgeber haben dennoch die ersten beiden Verhandlungsrunden nutzlos verstreichen lassen.

Hinter vorgehaltener Hand sagt man bei der Stadt, der Streik sei ein leeres Ritual und man sei sich ohnehinbald einig. Was sagen Sie dazu?

Göppner: Also, wenn wir uns schon einig wären, dann hätten die Kommunen in der zweiten Verhandlungsrunde ein Angebot unterbreiten können. Woher ich trotzdem meinen Optimismus nehme, dass die Verhandlungen vorangehen? Weil die Warnstreiks sehr wohl von den Arbeitgebern zur Kenntnis genommen werden. Mein Gefühl sagt mir, dass wir nächste Woche ein Angebot auf dem Tisch haben, über das sich verhandeln lässt. Ob es dann zum Abschluss kommt oder nicht, dafür bräuchte ich allerdings eine Glaskugel.

Teilen Sie diesen Optimismus, Herr Kriebel?

Kriebel: Diesem Optimismus kann ich noch nicht ganz folgen. Wenn ich mich an 2015 erinnere — allein an das Beispiel einer Alleinerziehenden mit 25 bis 30 Tagen Urlaub im Jahr, die die normale Schließzeit der Kita gerade so abdecken kann und dann einen mehrwöchigen Streik bewältigen soll —, das funktioniert nicht. Da kommt jeder an seine Belastungsgrenze.

Haben Sie für solche Eltern eigentlich Verständnis, Herr Göppner?

Göppner: Ja, natürlich habe ich Verständnis. Aber mit der Frage der Belastbarkeit und der Zumutung muss man sich auch an die Arbeitgeberseite wenden. Bei einem Tarifkonflikt gibt es immer zwei Seiten, nicht nur die Gewerkschaft.

Kriebel: Ganz ehrlich: Wir würden uns statt des Konflikts und statt Streik vielmehr ein Zusammenwirken von Stadt, Gewerkschaft, Beschäftigten und Eltern wünschen, um gemeinsam eine Lösung zu suchen. Etwa, dass sich alle an einen runden Tisch setzen.

Göppner: Eine solche Allianz wünsche ich mir schon lange. Um gemeinsam eine Diskussion darüber zu führen, was uns die Arbeit mit Menschen in unserer Gesellschaft wert ist. Aber das ist für mich eine andere Baustelle als diese Tarifrunde jetzt. Auch ich hoffe, dass es in dieser dritten Runde zu einem Ergebnis kommt.

Manche Eltern würden ihre Kinder am Streiktag am liebsten zu OB Maly ins Büro bringen oder im Rathausflur absetzen. Was halten Sie davon?

Kriebel: Sagen wir mal so, das hat in anderen Fällen funktioniert (lacht).Sicher ist die Stadt der erste Anlaufpunkt. Aber ich würde dort als Elternschaft auftreten. Die Kinder würde ich dort nicht abstellen. Tatsächlich wünsche ich mir mehr Eltern, die sich engagieren, auch für die Erzieherinnen. Denn steter Tropfen höhlt den Stein.

Göppner: Die Frage, ob man nun Kinder in die Amtsstube vom OB oder zum Kämmerer bringen soll, will ich anders beantworten. Wenn sich Eltern ärgern, dann würde ich mich freuen, wenn sie diesen Ärger auch die Stadtspitze spüren lassen. Bei mir rufen derzeit immer wieder Mütter und Väter an. Aber warum sollte man nicht auch mal dem Personalreferent Harald Riedel sagen, dass es einen frustriert, wenn der Kindergarten zu ist? Denn er ist als Vertreter der Stadt Nürnberg bei den Verhandlungen dabei.

Interview: JOHANNA HUSAREK, Nürnberger Nachrichten